Der Backspieker

Der Backspeicher, ein Kornspeicher etwa aus dem Jahre 1850, stammt vom Hof Kortbuß aus Ahaus, Wüllen-Oberortwick. An seinem alten Standort konnte er nicht erhalten werden. Zur praktischen Nutzanwendung wurde er deshalb abgetragen und von 1995 bis 1998 am jetzigen Standort wieder aufgebaut. In dem Holzbackofen werden regelmäßig Steinofenbrote gebacken, die dann verkauft oder nebenan im Heimathaus zum Verzehr angeboten werden.
Regelmäßig wird mit Schulklassen das Projekt “Vom Korn zum Brot” durchgeführt, wobei das Korn mit den Kindern wie in früheren Zeiten gesät und geerntet wird. Abschluss ist dann jeweils der Backtag im Backspeicher mit anschließendem Verzehr der Brote.

I) Zu dem Ausbau des Geländes um das Weseker Heimathaus war neben der bereits fertig gestellten Erweiterung des Quellengrundteiches, der Errichtung der Kneipp’schen Wassertretanlage und des Werkstattgebäudes sowie dem im Bau befindlichen Geologischen Garten auch die Errichtung eines Nebengebäudes am Heimathaus geplant.
Nach langem Suchen fanden die Heimatfreunde auf dem Hofe Kortbuß in AhausWüllen-Oberortwick einen Backspeicher, der sowohl in seiner Größe wie auch von seinem Alter her zum Heimathaus passen würde. Da das Weseker Heimathaus ein Denkmal ist, mussten zunächst die Denkmalsbehörden einer Erweiterung zustimmen. Diese erklärten auf Anfrage, dass eine Erweiterung durch ein Nebengebäude nur in Frage komme, wenn es gelänge ein Gebäude zu finden, welches sich aufgrund des Alters, seiner Größe und seiner Baustruktur dem Weseker Heimathaus anpassen bzw. unterordnen würde.
Bei dem Speicher Kortbuß waren alle diese Voraussetzungen gegeben.
Bereits im Jahre 1990 traten wir mit dem Kaufwunsch zwecks Umsetzung nach Weseke an den Eigentümer heran, da dieses Gebäude einer geplanten Betriebserweiterung im Wege stand.
Wir wurden schnell handelseinig und kauften diesen Speicher für den Heimatverein, nachdem die Stadt Borken sich erklärt hatte, den Kaufpreis von 25.000 DM zu übernehmen. Als die Stadt Ahaus hiervon erfuhr, setzte sie dieses Gebäude kurzerhand unter Denkmalschutz, mit der Begründung, es handle sich hierbei um eines der letzten Speicher im Raume Ahaus, welcher mit Lehmgefachen ausgestattet sei, und einer Umsetzung ohne die Zustimmung des Landeskonservators nicht zugestimmt werden könne.

II) Ein langes Ringen und Tauziehen begann.
Die Verantwortlichen des Weseker Heimatvereins sind grundsätzlich der Meinung, dass Denkmäler nicht nur erhalten, sondern möglichst auch am angestammten Platz restauriert werden sollen. Mit der Geschichte soll zwar behutsam umgegangen werden, doch soll sie nicht umgangen werden. Kultur- und Baudenkmäler müssen gepflegt und geschätzt, aber deshalb nicht in „Watte“ gepackt, vor der Öffentlichkeit versiegelt und verschlossen werden. Dieses betroffene Gebäude sollte einer Hoferweiterung weichen und lag von seinem Standort her leider sehr unglücklich zwischen dem Wohngebäude und dem eng angrenzenden Schweinestall.
Zu dem Glück, ein passendes Gebäude gefunden zu haben, kam die Überlegung, es besser zu translozieren, um es als Eigentum der Stadt Borken und durch die Pflege des Heimatvereins der Nachwelt zu erhalten, als dass es am damaligen Standort verfiele und schließlich geschleift würde.
Von der Idee bis zur Umsetzung und fertigen Restaurierung, das wussten wir aus Erfahrung mit dem Heimathaus, galt es einen langen Weg hinter sich zu bringen. Ein hoher personeller, materieller und finanzieller Aufwand, den es jedoch auf ein Mindestmaß zu begrenzen galt, war erforderlich.
Auch mussten viele Fragen sach- und fachgerecht beantwortet werden. Wäre eine Translozierung überhaupt sinnvoll zu befürworten? Wie teuer würde die Wiedererrichtung überhaupt? Wer gäbe unter Umständen Zuschüsse? Gäbe es überhaupt genügend Handwerker, die mit den auszuführenden Arbeiten vertraut wären?

III) Die letzte, aber für uns entscheidende Frage konnte positiv beantwortet werden, da wir in der glücklichen Lage waren, über eine Reihe ehrenamtlicher und interessierter Fachkräfte zu verfügen.
Nachdem die Stadt Ahaus von dem Kaufvertrag erfahren hatte, setzte sie das Gebäude wie oben erwähnt kurzerhand unter Denkmalschutz. Gewiss, eine falsch verstandene Denkmalspflege wäre darin zu sehen, wenn eine künstlerische Idee als wesentliches Merkmal dominieren würde und bei der nicht zu umgehenden Umsetzung und Restaurierung einzig ästhetischen Ansprüchen Rechnung getragen würde.
Als Erinnerung an Geschichten und Geschichte aus der Vergangenheit haben zahlreiche Generationen Denkmäler verstanden und gepflegt. Skulpturen der Antike, mittelalterliche Kirchen, Burgen und Schlösser aus unterschiedlichen Epochen legen in unserer näheren Umgebung dafür ein beredtes Zeugnis ab.
So standen bis Mitte der 70er Jahre ausschließlich Spitzenleistungen der Kunstgeschichte im Mittelpunkt des Denkmalschutzes und der Denkmalspflege. Längst ist es erfreulicher Weise zu einer Selbstverständlichkeit geworden, dass zur historischen Baukunst auch Bürgerhäuser sowie Speicher, Siedlungen und Fabriken gehören und auch die Umgebung in die denkmalsschützerischen Überlegungen mit einbezogen werden.
In einigen Regionen, dazu gehörte auch der Ortskern Weseke, haben die Städteplaner bis in die 70er Jahre ihre Aufgabe darin gesehen, historische Bausubstanz flächendeckend durch moderne Bebauung zu ersetzen. Durch diese Erneuerungspraxis sind in unserem Ortsteil bedauerlicherweise geschichtlich wertvolle Zeitzeugnisse verloren gegangen mit der Folge, dass auch unser Dorf mehr oder weniger große Identitätsverluste hinnehmen musste. Wie sehr ein Ort oder Ortsteil von einer gelungenen Restaurierung profitiert, wird besonders auch beim Weseker Heimathaus deutlich.

IV) Nach einer Reihe von Besichtigungen und Verhandlungen mit den beteiligten Behörden war letztlich ein Gutachten der Landwirtschaftskammer ausschlaggebend für die Freigabe der Umsetzung durch das Amt für Denkmalspflege.
Eine Translozierung ins Stadtgebiet Ahaus wäre geboten gewesen, wurde jedoch vom Eigentümer als auch von der Stadt Ahaus wegen der hohen Kosten gescheut.
Man folgte schließlich unseren Überlegungen, dass es besser wäre, das Gebäude zu translozieren und als Eigentum der Stadt Borken und durch die Pflege des Heimatvereins der Nachwelt zu erhalten, als es verfallen und letztendlich schleifen zu lassen.
Damit war nach dreijährigen Verhandlungen der Weg für eine Umsetzung des Speichers Kortbuß frei.
Schon kurz nach der Eröffnung des Geologischen Gartens begannen die unermüdlichen Helfer des Heimatvereins mit der Abtragung des Gebäudes.
An mehreren Wochenenden wurden das Dach des Speichers abgetragen und die Ausmauerung behutsam entnommen, um sie neben dem Weseker Heimathaus für den Wiederaufbau einzulagern.
Der gesamte Fachwerkblock wurde zum Transport auf einen Tieflader der Firma Bernhard Büning verzurrt.
An einem Freitag im August 1995 erfolgte der Transport vom Hof Kortbuß in Ahaus-Wüllen-Oberortwick zum Quellengrund nach Weseke.
Während Bernhard Büning es sich nicht nehmen ließ, den LKW zu steuern, fuhren wir in Begleitung der Ahauser Polizei los bis zur A31.
Von dort wurden wir von der Autobahnpolizei bis zu B67N geführt, anschließend wurde der Konvoi von der Borkener Polizei bis auf den Parkplatz am Heimathaus geleitet.
Unterstützt wurde der Transport von einer Vorhut, die Straßenschilder und hindernde Gegenstände beseitigte, einem nachfolgenden Tross, der die Schilder und weggeräumte Gegenstände direkt wieder aufstellte und der Weseker Feuerwehr, die mit Sprechfunkgeräten Streckenposten eingerichtet hatte, damit nicht irgendwo auf der Strecke ein Fahrzeug parkte und den Weg für unser Gefährt mit 7m Breite versperrt hätte.
Bevor es mit dem Wiederaufbau begann, vergingen weitere drei Jahre, um die Genehmigungen einzuholen.
Das erste Problem war die Finanzierung des Kellers.
Nicht ohne Grund heißt die Flurbezeichnung „Quellengrund“. Hier steht uns das Wasser quasi bis zum Hals, was heißt, dass das Grundwasser bis ca. 80 cm unter der Oberfläche steht.
Unsere Überlegung war daher, einen wasserdichten Keller zu errichten. Nach ersten Gesprächen mit einem Bauunternehmen hieß es, dass dieser Keller 50.000 DM kosten würde. Da der Weseker Heimatverein nur die Hälfte finanzieren konnte, einigte man sich mit dem Unternehmer, dass er die Baumaterialien zur Verfügung stellt.
Von 1995 bis 1998 wurde kräftig in die Hände gespuckt, bis endlich Richtfest gefeiert werden konnte.
Nach mühevoller dreijähriger Wiederaufbauarbeit war es am 28. Juni 1998 endlich so weit. Unter Federführung des Heimatvereins, zusammen mit dem landwirtschaftlichen Ortsverein, veranstaltete die Gemeinde, vertreten durch eine Reihe von Vereinen, einen Festumzug mit historischen Trachten, Geräten und Maschinen . Mit musikalischer Begleitung des Weseker Musikvereins zog sich ein kilometerlanger Festumzug, gesichert von Aktiven der Weseker Feuerwehr, durch den Ort bis zur Endstation am Heimathaus.

Kurzfassung eines 65 Minuten langen Videos über den Wiederaufbau des Backspeichers Kortbuß im Quellengrund in Weseke in den Jahren 1995 bis 1998.
Projekt "Vom Korn zum Brot" mit den Klassen 3a und 3b der Roncalli Grundschule in Weseke am 27.09.2017
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